Ein Büro Outfit bei Hitze zusammenzustellen, klingt erst einmal nach einem überschaubaren modischen Problem. Bis ich morgens vor meinem Kleiderschrank stehe, draußen bereits 27 Grad herrschen und ich weiß, dass die Temperaturen später noch deutlich steigen werden. Dann frage ich mich nicht mehr, welcher Look besonders raffiniert wäre. Ich möchte einfach nur vollständig bekleidet durch den Tag kommen, ohne unterwegs meine gesellschaftliche Grundform zu verlieren.

Derzeit schmelze ich nämlich wirklich dahin. Leider nicht, weil mich jemand so positiv überrascht hätte, sondern ganz buchstäblich. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf dem Klimawandel herumhauen. Auch wenn ich durchaus glaube, dass er mit diesen Temperaturen mehr zu tun hat, als uns lieb sein kann. Heute geht es mir aber vor allem um die modischen Folgen. Denn selbst wenn das Thermometer 35 Grad anzeigt, kann ich schlecht im Badeanzug zur Arbeit erscheinen. Dabei wäre er temperaturtechnisch vermutlich die ehrlichste Wahl.

Bei 35 Grad möchte ich ans Wasser

Bei solchen Temperaturen möchte ich eigentlich nicht vor dem Kleiderschrank stehen. Ich möchte an einem See, am Meer oder wenigstens mit den Füßen in einem Planschbecken sitzen und mir Luft zufächeln. Für Letzteres hätte ich sogar bereits das passende Accessoire. Ihr erinnert euch vielleicht noch an meinen Beitrag über den Fächer gegen Hitze. Ich wusste damals schon, dass dieser Fächer mehr ist als eine modische Laune. Inzwischen halte ich ihn für eine vernünftige Vorsorgemaßnahme. Vor allem, weil er keinen Akku braucht und mir keine Push-Nachricht schickt, während ich versuche, nicht zu überhitzen.

Da aber offenbar nicht vorgesehen ist, das öffentliche Leben ab 30 Grad einzustellen, muss auch ich weiterhin arbeiten. Und damit beginnt morgens die Suche nach einem Outfit, das angezogen aussieht, sich aber möglichst wenig nach Kleidung anfühlt.

Weißes Rippentop mit mehreren silberfarbenen Ketten, Sonnenbrille und locker über die Schulter gelegtem Leinenhemd.

Dresscodes verstehe ich nur bedingt

Ich spreche hier ausdrücklich von Arbeitsplätzen ohne festen Dresscode. Wer im Beruf Anzug, Kostüm, Uniform oder Schutzkleidung tragen muss, hat bei hohen Temperaturen mein vollstes Mitgefühl. Dort gibt es wenig Spielraum und vermutlich noch weniger Freude beim morgendlichen Anziehen. Ich finde viele Dresscodes ohnehin ziemlich überholt. Gerade Banken und Versicherungen legen bekanntlich großen Wert auf ein seriöses Erscheinungsbild. Dass sich die Integrität eines Menschen allerdings am korrekt sitzenden Sakko ablesen ließe, haben beide Branchen bislang nicht besonders überzeugend belegt.

Schließlich weiß ich inzwischen, dass die größten Idioten durchaus im teuersten Zwirn auftreten können. Ein Anzug ist kein verlässlicher Kompetenznachweis und eine Krawatte hat noch nie automatisch für gute Manieren gesorgt. Ich habe mich noch nie wohler gefühlt, nur weil mir jemand besonders formell gegenübergetreten ist. Viel wichtiger finde ich, wie ein Mensch mit anderen umgeht. Dafür gibt es bislang leider kein vorgeschriebenes Kleidungsstück.

Luftiger Sommerlook fürs Büro mit Leinenhemd, beigem Wickelrock, heller Tasche und weißen Slingpumps.

Ganz egal ist mir die Kleidung trotzdem nicht

Trotzdem finde ich nicht, dass im Sommer plötzlich alles egal ist. Kleidung hat im beruflichen Umfeld auch etwas mit Respekt zu tun. Gegenüber den Menschen, mit denen ich arbeite, gegenüber Kundinnen und Kunden und manchmal auch gegenüber einem bestimmten Anlass. Ich möchte mich wohlfühlen, aber ich möchte mich in meinem Outfit auch sicher fühlen. Für mich bedeutet das, dass ich nicht den ganzen Tag darüber nachdenken möchte, ob etwas verrutscht, zu durchsichtig ist oder für die jeweilige Situation vielleicht doch ein bisschen zu freizeitlich wirkt.

Diese Gedanken haben für mich übrigens nichts mit dem Alter zu tun. Ich finde nicht, dass man mit 30 das eine und mit 50 plötzlich etwas anderes tragen muss. Ich möchte einfach selbst entscheiden, wie viel Haut ich wann und wo zeigen möchte. Zwischen „angemessen angezogen“ und „ich habe kurz überlegt, direkt im Badeanzug zu kommen“ liegt schließlich noch ein gewisser Spielraum. Genau den versuche ich an heißen Arbeitstagen zu nutzen.

Mein Outfit muss mehrere Temperaturen können

Für mich muss ein gutes Büro Outfit bei Hitze vor allem mehrere Zustände beherrschen. Denn mein Tag beginnt vielleicht in großer Wärme, führt anschließend in ein klimatisiertes Büro und endet möglicherweise im Biergarten. Das sind klimatisch betrachtet mindestens drei verschiedene Kontinente. Und ich möchte dafür nicht drei verschiedene Outfits mitnehmen. Deshalb mag ich Looks, bei denen ich eine Schicht ausziehen kann, ohne dass darunter sofort Strandbar zum Vorschein kommt. Ein Tanktop ist im Hochsommer eine gute Grundlage, wenn ich darüber zunächst ein luftiges Hemd trage.

Wenn es im Laufe des Tages unerträglich heiß wird, darf das Hemd Pause machen. Sollte im Büro die Klimaanlage wiederum versuchen, arktische Verhältnisse herzustellen, ziehe ich es einfach wieder an. Diese Flexibilität ist mir wichtig. Ich möchte nicht den ganzen Tag gegen mein Outfit arbeiten müssen. Kleidung darf mir das Leben schließlich auch leichter machen. Gerade an Tagen, an denen schon die Außentemperatur genug von mir verlangt.

Luftiges Büro Outfit bei Hitze aus offenem Leinenhemd, weißem Tanktop, beigem Wickelrock und Slingpumps

Luft zwischen Haut und Kleidung

Auch ein weiter, luftiger Rock ist für mich an solchen Tagen eine ziemlich vernünftige Lösung. Er sieht angezogen aus, engt mich nicht ein und lässt wenigstens ein bisschen Luft an Stellen, die bei 35 Grad für jede Unterstützung dankbar sind. Zusammen mit einem leichten Hemd entsteht ein Look, mit dem ich mich im Job passend angezogen fühle. Gleichzeitig muss ich mich nach Feierabend nicht erst vollständig umziehen.

Das ist ohnehin meine liebste Form von Sommermode: Kleidung, die mehrere Tagesabschnitte beherrscht. Erst Büro, dann Biergarten. Dazwischen vielleicht noch Supermarkt, Apotheke oder irgendein anderer Ort, an dem ich überraschend lange in einer Schlange stehe und über mein bisheriges Leben nachdenken kann.

Detailaufnahme von weißem Rippentop, beigem Wickelrock und schwarzem Gürtel mit goldfarbener Doppelschnalle.

Leinen darf bei mir knittern

Leinen ist bei Hitze natürlich ein naheliegender Kandidat. Der Stoff ist leicht, luftig und sieht nach Sommer aus. Außerdem knittert er zuverlässig und nimmt mir damit frühzeitig jeden Anspruch auf vollständige Perfektion. Ich sehe das inzwischen gelassen. Wer bei 35 Grad am Nachmittag noch so glatt aussieht wie am Morgen, hat entweder einen sehr kurzen Arbeitsweg oder Zugang zu technischen Möglichkeiten, die mir bisher verborgen geblieben sind.

Ein paar Falten im Hemd erscheinen mir jedenfalls deutlich sympathischer als ein Hitzekollaps mit tadellos gebügeltem Kragen. Außerdem finde ich, dass gerade diese Unperfektheit zu Leinen gehört. Neben Leinen trage ich bei Hitze gerne leichte Baumwolle oder Viskose. Wichtiger als irgendeine allgemeingültige Stoffregel ist für mich allerdings die Frage, wie sich ein Kleidungsstück tatsächlich auf meiner Haut anfühlt. Manches Material klingt in der Beschreibung herrlich sommerlich und klebt nach zehn Minuten trotzdem an meinem Rücken wie eine persönliche Entscheidung, die ich gerne rückgängig machen würde.

Rückansicht eines luftigen Büro Outfits bei Hitze mit cremefarbenem Leinenhemd, beigem Wickelrock und heller Tasche.

Mode soll mich nicht zusätzlich stressen

Vielleicht ist das für mich überhaupt der wichtigste Punkt bei einem Sommeroutfit für die Arbeit: Ich möchte mich darin nicht verkleidet fühlen und ich möchte meinen Körper nicht den ganzen Tag kontrollieren müssen. Hitze ist anstrengend genug. Da brauche ich keine Kleidung, die kneift, rutscht oder mir schon beim Anziehen vermittelt, ich müsste heute noch ein bisschen mehr Haltung bewahren.

Ich möchte mich in meinem Outfit wiedererkennen. Egal, ob ich an diesem Tag im Büro sitze, einen Termin habe oder nach der Arbeit noch mit jemandem im Biergarten verabredet bin. Mode macht mir schließlich Freude. Und diese Freude möchte ich mir auch von 35 Grad nicht vollständig nehmen lassen. Selbst wenn mein modischer Anspruch an solchen Tagen ein wenig bescheidener ausfällt und hauptsächlich lautet: luftig, angezogen und bitte ohne Kreislaufprobleme.

Vielleicht brauchen wir eine Siesta

Natürlich könnte ich weiterhin ausschließlich darüber nachdenken, wie ich meine Kleidung an immer höhere Temperaturen anpasse. Ich könnte aber auch überlegen, ob Arbeitszeiten im Hochsommer grundsätzlich anders organisiert werden sollten. In vielen südlichen Ländern gehört eine längere Pause während der heißesten Stunden des Tages ganz selbstverständlich zum Alltag. Das hat vermutlich weniger mit mangelnder Leistungsbereitschaft zu tun als mit der Erkenntnis, dass ein menschliches Gehirn bei großer Hitze irgendwann nur noch eingeschränkt ansprechbar ist.

Eine Siesta wäre also durchaus eine Überlegung wert. Ich fürchte nur, Fritze Merz würde die Idee nicht sofort begeistert in sein Regierungsprogramm aufnehmen. Wir Lifestyle-Teilzeit-Arbeitenden wollen jetzt schließlich nicht auch noch mittags ruhen. Am Ende möchten wir womöglich ausgeschlafen und bei Bewusstsein arbeiten. Wo kämen wir denn da hin?

Sommerlicher Büro Look mit lockerem Leinenhemd, beigem Wickelrock, heller Handtasche und weißen Slingpumps.

Andere Arbeitszeiten wären doch eine Idee

Dabei fände ich es gar nicht so unvernünftig, die Arbeit an besonders heißen Tagen morgens früher zu beginnen, mittags eine längere Pause einzulegen und am späten Nachmittag weiterzumachen. Das lässt sich natürlich nicht in jedem Beruf umsetzen. Aber dort, wo es möglich wäre, könnte man zumindest darüber nachdenken. Schließlich kann die Antwort auf immer höhere Temperaturen nicht ausschließlich darin bestehen, dass ich meinen Kreislauf mit Kaffee, Wasserspray und einem USB-Ventilator am Leben halte. Wobei ich auf meinen Fächer natürlich trotzdem nicht verzichten würde. Man weiß ja nie.

Frau in cremefarbenem Leinenhemd, asymmetrischem Wickelrock und hellen Slingpumps auf einem schmalen Gehweg.

Erst Büro, dann Biergarten

Bis die Siesta hierzulande flächendeckend eingeführt wird, bleibt mir also nur eine vernünftige Outfitplanung. Luftige Stoffe, weite Schnitte und mehrere leichte Schichten sind für mich die beste Möglichkeit, meinen Arbeitsalltag und die sommerlichen Temperaturen halbwegs miteinander zu versöhnen. Mein heutiger Look folgt genau diesem Prinzip. Ich fühle mich damit für einen Arbeitsplatz ohne strengen Dresscode passend angezogen und kann trotzdem auf unterschiedliche Temperaturen reagieren.

Nach Feierabend wäre ich außerdem direkt bereit für den Biergarten. Und wenn ich schon bei 35 Grad arbeiten muss, sollte wenigstens das anschließende Kaltgetränk keine komplizierte Umziehaktion erfordern. Wie löst ihr das bei großer Hitze? Gibt es bei euch im Job einen Dresscode oder dürft ihr im Sommer selbst entscheiden, was noch als bürotauglich durchgeht? Und wärt ihr bereit für eine deutsche Siesta oder fürchtet ihr ebenfalls um den Wirtschaftsstandort?

Danke, dass ihr euch auch heute wieder die Zeit für meinen Beitrag genommen habt. Bei all den Inhalten, die jeden Tag um unsere Aufmerksamkeit buhlen, ist euer Besuch hier für mich alles andere als selbstverständlich. Ich freue mich sehr, dass ihr da seid, mitlest und eure Gedanken mit mir teilt. Passt gut auf euch auf und kommt möglichst kühl durch diese heißen Tage.


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