Es gibt diesen Moment, in dem man sich selbst beim Denken zuhört und denkt: „Wer bist du eigentlich?“ Ich hatte diesen Moment neulich – und er hatte, wenn man es genau nimmt, mit Sommerkleider und Komfortzone zu tun. Nicht nur modisch, sondern im ganz alltäglichen Sinne. Denn ich merke, dass ich Verabredungen gar nicht mehr erst ausmache. Nicht wegen Krankheit, nicht wegen eines wichtigen Termins. Sondern weil ich dann mein Sportprogramm nicht so durchziehen kann, wie ich das möchte.
Ich. Wegen. Sport.
Ich, die ich noch vor zwei oder drei Jahren über genau diese Art von Menschen die Augen verdreht habe.

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Willkommen im Club der Komplizierten

Irgendwann passiert es einfach. Man wird älter, man weiß, was einem gut tut, man hat Routinen entwickelt, die funktionieren und plötzlich verteidigt man diese Routinen wie ein Terrier seinen Knochen. Verabredungen werden zur logistischen Herausforderung. Nicht weil man keine Lust auf Menschen hat, sondern weil man die Konsequenzen bereits im Voraus durchrechnet. Wenn ich jetzt zusage, fällt das Training aus. Fällt das Training aus, schlafe ich schlechter. Wenn ich schlechter schlafe, bin ich am nächsten Tag unproduktiv. Und so weiter, und so fort.

Dazu kommt noch etwas, das ich gerne offen anspreche: Ich produziere meinen gesamten Content – diesen Blog, Instagram, alles – in meiner Freizeit. Die ist begrenzt. Und wenn eine Verabredung diese Freizeit auffrisst, fehlt mir nicht nur das Training, sondern auch die Zeit, die ich für das brauche, was mir wirklich wichtig ist. Das klingt vielleicht kalt. Es ist aber schlicht die Wahrheit. Das Erschreckende daran ist nicht, dass man das denkt. Das Erschreckende ist, dass es sich vollkommen logisch anfühlt.

Der Koffer, der Zug und mein Rücken

Besonders deutlich wird das bei Reisen. Ich fahre zwischenzeitlich ungern auf kurze Trips, und das hat einen ganz konkreten Grund: das Gepäck. Nicht das Gepäck an sich, sondern das, was ich mir selbst zumute, um bloß keine Routine zu verpassen. Sportklamotten einpacken, Trainingsbänder, vielleicht noch die Yogamatte, weil man ja nie weiß. Am Ende ist der Koffer so schwer, dass ich ihn im Zug kaum in die Gepäckablage hieven kann. Und wenn ich es schaffe, dann mit dem Preis, dass mir im Anschluss irgendetwas wehtut. Schulter, Rücken, Stolz.

Das Lustige? In neun von zehn Fällen habe ich das ganze Zeug völlig umsonst mitgeschleppt. Weil ich es vor Ort natürlich nicht schaffe, Sport zu machen. Weil das Leben das so entscheidet. Ich könnte natürlich mit dem Auto fahren. Dann müsste ich keinen Koffer in die Gepäckablage hieven und könnte alles mitnehmen, ob ich es am Ende benötige oder nicht. Aber da ist zum einen die Umwelt und zum anderen habe ich schlicht keine Lust mehr, weite Strecken alleine im Auto zu sitzen. Also Zug, Koffer und Rücken.

Sommerkleider Komfortzone – blau-weißes Kleid, seitliche Ganzkörperaufnahme an Treppengeländer

Overnight Oats und die Grenzen des Machbaren

Ähnlich verhält es sich mit dem Essen. Ich bereite mir abends meine Overnight Oats für den nächsten Morgen vor. Das ist mein Ding, das funktioniert, das mag ich. Bin ich aber abends unterwegs, fällt das aus. Vorher vorbereiten? Theoretisch möglich, praktisch nicht, wenn man einen normalen Arbeitstag hinter sich hat. Also kein Overnight Oat und dann kein perfekter Morgen. Also ein schlechter Start in den Tag, zumindest in meiner Vorstellung. Ich höre mich selbst und denke manchmal: Bitte. Es sind Haferflocken. Und trotzdem.

Buttergelbes Hemdblusenkleid mit Gürtel – Sommerkleid Komfortzone Outfit von der Seite

Alleine im Hotelzimmer – und das ist gut so

Dazu kommt noch eine weitere Entwicklung, die ich vor ein paar Jahren auch noch nicht auf dem Radar hatte: Ich bin zwischenzeitlich am liebsten alleine in einem Hotelzimmer. Dann kann ich mein Chaos exakt so verbreiten, wie ich das möchte. Kein Kompromiss, keine Rücksicht, keine Kommentare darüber, wo ich meine Sachen hinlege. Und von meiner eigenen Toilette fange ich erst gar nicht an.

Das Schöne an dieser Erkenntnis: Ich bin damit nicht alleine. Eine liebe Insta-Bekannte hat mir neulich in ein paar Direktnachrichten genau das Gleiche geschrieben. Sie hat sich über sich selbst aufgeregt, ich habe mich über mich selbst aufgeregt, und am Ende haben wir beide festgestellt, dass wir offenbar beide gerade in dieser Phase sind. Das „Kompliziert-werden“ als kollektives Phänomen, sozusagen.

Sommerkleider als Komfortzone-Test

Und weil ich gerade schon dabei bin, meine Komfortzone zu hinterfragen, kommen wir zu den Outfits. Denn auch modisch habe ich meine eingefahrenen Wege. Ich bin eine Hosenmatz. Das war ich schon immer, das werde ich wahrscheinlich immer bleiben. Hosen geben mir das Gefühl von Bewegungsfreiheit, von Kontrolle – ich habe das Gefühl, spontan alles tun zu können. Sommerkleider hingegen sind für mich seit jeher ein kleiner Schritt aus der Komfortzone.

Das fängt beim Zupfen an. Sitzt das Kleid richtig? Verrutscht der Saum? Ist das jetzt vorne oder hinten? Und dann gibt es da noch die Sache mit den Oberschenkeln, die im Sommer nun einmal aneinanderreiben. Natürlich gibt es dafür Lösungen. Hautfarbene Radlerhosen aus dünnem Stoff funktionieren wunderbar. Allerdings nehmen sie auch genau das luftige Gefühl, das Sommerkleider eigentlich so attraktiv macht. Man löst also ein Problem und schafft gleichzeitig ein neues.

Buttergelb und Windmaschine

Die beiden Kleider auf den Fotos habe ich schon eine ganze Weile im Schrank. Das buttergelbe Hemdblusenkleid mit Gürtel greift eine Farbe auf, die aktuell überall zu sehen ist. Und ich muss sagen: völlig zu Recht. Lieb diese Farbe sehr, obwohl ich ja ohnehin ziemlich helle Haut habe, finde ich es toll. Es wirkt etwas angezogener, ohne förmlich zu sein, und gehört tatsächlich zu meinen Lieblingskleidern. Das blau-weiß gemusterte Kleid ist das genaue Gegenteil. Locker, leicht und fast schon unbekümmert. Für Fotos ist es ein Traum. Sobald aber auch nur ein leichter Wind aufkommt, entwickelt der Stoff ein bemerkenswertes Eigenleben. Marilyn Monroe lässt grüßen.

Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen Sommerkleider und Hosen. Die Hose macht einfach ihren Job. Ein kürzeres Kleid verlangt gelegentlich Aufmerksamkeit, und zwar meine eigene und das irgendwie ständig. Deshalb ist das in meiner Wahrnehmung ein eher anstrengendes Kleidungsstück. Jedenfalls hängen beide Kleider meistens im Schrank, obwohl ich sie eigentlich sehr gerne mag.

Buttergelbes Hemdblusenkleid mit Crossbody Bag – Sommerkleid Komfortzone Outfit, lachend

Was bleibt, wenn man alle Verabredungen meidet

Und jetzt komme ich zu dem Punkt, den ich mir selbst immer wieder vor Augen halten muss. Wenn man anfängt, Verabredungen konsequent zu meiden, weil sie die eigene Routine stören könnten, hat man irgendwann kein soziales Leben mehr. Das ist keine Übertreibung, sondern eine ziemlich logische Konsequenz. Man optimiert sich in die Einsamkeit.

Und das ist vermutlich nicht das Ziel gewesen, als man angefangen hat, besser auf sich selbst zu achten. Ich habe darauf keine fertige Antwort. Ich beobachte diese Entwicklung gerade einfach an mir selbst und offenbar auch an anderen. Vielleicht ist genau das der erste Schritt: überhaupt zu bemerken, was da passiert. Und vielleicht sollte ich die nächste Verabredung einfach zusagen. Notfalls ohne Trainingsband im Koffer.Wie ist das bei euch? Habt ihr mit den Jahren auch Routinen entwickelt, die ihr inzwischen fast schon verteidigt wie einen Schatz, oder gelingt es euch noch, spontan zu bleiben? Vielen Dank, dass ihr hier lest und eure Zeit mit mir teilt. Das bedeutet mir wirklich etwas.

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gelbes Kleid

Sommerkleider Komfortzone Styling – blau-weißes Kleid, seitliche Ganzkörperaufnahme mit Strandtasche

Baum & Pferdgarten – habs schon länger. Bei Bonprix (Affiliatelink) habe ich dieses Hemdblusenkleid gesehen. Mag die Farbe. Falls Ihr auch ein Kleid in Gelb sucht – beim Breuninger gibt es gerade dieses wunderbar unkompliziert anmutende Kleid (Affilitelink).

blaues Kleid

H&M – auch schon ne Weile hier. Dieses Kleid von Neo Noir sieht auch wie ein luftiges Sommerkleid mit langen Ärmeln aus (Affiliatelink).

Slingbacks

Zara – aktuell und so bequem, ich hätte sie am liebsten in noch fünf Farben.

Raffia-Tasche

THE BRITISH SHOP – gehört zu einer Kooperation.

Gestreifte Tasche

Suri Frey – eine klasse Tasche für alle Lebenslagen, die wegen ihres Designs gute Laune verbreitet finde ich. Leider habe ich sie im Shop nimmer gefunden und das schafft diese Denim-Tasche von lala Berlin (Affiliatelink) auch ziemlich gut.


Durchbruch

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7 Kommentare

  1. Hallo liebe Conny, hab Deinen Beitrag gerne gelesen, Danke dafür. Dazu fällt mir Folgendes ein: habe mir echt lange über das Phänomen „Zeit“ Gedanken gemacht und mich mit vielen darüber unterhalten und gelesen. Speziell darüber, dass je älter ich werde desto gefühlt schneller Zeit vergehe. Nun ist es wohl so, dass rückblickend Zeit „langsamer“ vergeht, wenn man sie mit Erlebnissen bestückt und von Routinen absieht. Du merkst, worauf ich hinaus will?! Also, ich habe wieder!!! lieber Treffen oder Ausstellungen oder Veranstaltungen zusammen mit lieben Menschen als meine Routinen, denn dieses Gefühl des „Zeitverlustes“ geht mir an die Substanz, mehr als meinen Sporttermin oder mein ritualisiertes Essen am Abend zu verschieben oder ausfallen zu lassen. Ich möchte lieber rückblickend das Gefühl haben, wow das war eine lange erlebnisreiche Woche, Monat oder Jahr mit vielen neuen Eindrücken Viele Grüße Trina

    1. Liebe Trina, da gebe ich dir absolut recht… Über diese Routinen und den Eindruck, dass dadurch die Zeit schneller vergeht, hab ich auch schon mal einen Blogbeitrag geschrieben. Danke für deinen Input dazu und deinen Lesebesuch. Das freut mich voll, dass du dir die Zeit genommen hast. Hab einen schönen Sonntag, lieber Gruß, Conny

  2. Hallo liebe Conny….ja, werde Dir Deines Bewustseins bewusst. Ich finde das ist eine sehr wichtige Erkenntnis. ….den Film, die Lücke, hab ich im Kino gesehen und er war toll. Dankeschön für Deinen immer wieder sehr erfrischenden Blogbeitrag 🙋‍♀️Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir

    1. Liebe Helene, jaaaaaa, das ist ein guter Spruch und absolut wichtig. Es gelingt mir nicht immer… für deinen Besuch bedanke ich mich und auch für dein Blog-Abo… means a lot. Hab auch einen feinen Sonntag, lieber Gruß, Conny

  3. Liebe Conny, ein wunderschöner Beitrag mit einer wichtigen Botschaft. Oft merken wir gar nicht, wie sehr uns unsere Routinen und Gewohnheiten festhalten. Ich bin auch im Club der Komplizierten würde ich behaupten. Ich möchte manchmal auch einfach in Ruhe mein Ding machen in meiner Freizeit. Gerade wenn man berufstätig ist, ist die ja doch begrenzt.
    Gerade deshalb finde ich es inspirierend, wie du zeigst, dass schon ein Sommerkleid ein kleiner Schritt aus der Komfortzone sein kann. Manchmal braucht es gar keine großen Veränderungen – ein anderes Outfit, ein neuer Blickwinkel oder einfach der Mut, etwas auszuprobieren, reichen schon aus. Und ja, die nächste Reise ohne Yogamatte und Bänder. 😉
    Danke für diesen Denkanstoß und die Erinnerung, dass man doch auch mal spontan sein sollte. Oft ist es hinterher gar nicht so schlimm, wie man vorher dachte.
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße Tina

  4. Wirklich tolles Thema. Da finde ich mich so wieder… omg ich werde nicht kompliziert – ich bin kompliziert! Aber ganz was anderes, deine neue Frisur, hab ich das versäumt? Wie schön… steht dir hervorragend. Lg Michaela

  5. Ich hab ja schon auf Insta gesehen, dass wir das gleiche Kleid haben. Nur trage ich es als Tunika. Wenn lange Ärmel, dann ist es so „kalt“, dass ich auch eine lange Hose und geschlossene Schuhe kombiniere.
    Die Leute haben sich in den letzten 35 Jahren dran gewöhnt, dass meine beiden festen Sporttermine pro Woche nicht verhandelbar sind. Sind wir allerdings in LA eingeladen, da trifft man sich spätestens um 12 Uhr zum Essen, dann „geht sich das mit dem Fitnessstudio in der Früh nicht aus“. Aber dann gehe ich halt am Samstag.
    Der Dienstagstermin wird nur wegen Arztterminen verschoben, die sich halt nicht anders legen lassen.
    Die anderen wissen, dass ich da ein bisschen spinne. 🙂 Der dritte Termin ist flexibel und wird nur zu leicht gecanceld ….
    Außer Ski- und Surfzeug nehme ich in den Urlaub kein Sport-Equipment mit.
    BG Sunny

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