Kennt ihr noch die Zeit, als ein Besuch im Duty-Free-Shop die große Duft-Offenbarung war? Ich schon. Und zwar sehr genau. Ich hab darüber ja erst neulich geschrieben – über diesen kleinen olfaktorischen Zeitsprung in Dublins Duty-Free-Bereich. Falls ihr den Beitrag verpasst habt: Dort riecht’s heute noch wie 1995. Nach Red Jeans, Jil Sander Sun und Anaïs Anaïs. Ich hätte schwören können, gleich legt jemand „Listen to Your Heart“ von Roxette auf, während im Hintergrund jemand „Zigaretten?“ flüstert.

Nostalgisch? Ja, klar. Aber irgendwie auch ein bisschen traurig. Denn während der Rest der Welt in Sachen Parfum richtig spannend geworden ist, scheint der Duty-Free-Bereich kollektiv eingeschlafen zu sein – und zwar im Jahrzehnt der Schlaghosen und Frosted Lips.

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Von „La vie est belle“ zu „Wer bist du heute?“

Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ganze Büroetagen nach La vie est belle von Lancôme rochen. Und wenn nicht das, dann war’s Light Blue oder Alien. Ich will gar nicht wissen, wie viele Flacons dieser Düfte pro Jahr über die Ladentheke gingen. Millionen! Und alle rochen gleich. So wie der Montagmorgen in der U-Bahn oder das Treppenhaus in der Mittagspause. Heute riecht kaum noch jemand nach Standard – und das ist eine richtig gute Nachricht. Denn im Gegensatz zu Duty-Free hat sich der Rest der Welt weiterentwickelt. Zum Glück! Der Parfümmarkt ist explodiert – und zwar im besten Sinne. Nie war er so divers, so individuell, so spannend. Neue Marken tauchen auf wie Fashion-Trends auf TikTok, nur dass sie deutlich länger halten.
Und wenn ich ehrlich bin: Ohne mein Influencerinnen-Dasein hätte ich das alles gar nicht so hautnah erlebt. Bei all den Events, Pressdays und Duftvorstellungen in diesem Jahr habe ich erst richtig verstanden, wie viele wunderbare Nischenmarken da draußen sind. Und wie unterschiedlich ein Duft sein kann – je nach Stimmung, Anlass oder einfach der Lust auf Veränderung.

Ein Duft kann mich in Sekunden zurück in mein Ausbildungsbüro katapultieren – inklusive Chefin mit Opium und bösem Blick.

Eternity, Opium & olfaktorische Erinnerungen

Mein erster großer Duft war Eternity von Calvin Klein – und das, bevor man ihn in Deutschland überhaupt kaufen konnte. Ich war so stolz, weil ich dachte: Das hat sonst keiner! Tja – bis plötzlich jede zweite Frau im Bus nach Eternity roch. Da war’s vorbei mit der Einzigartigkeit. Und dann war da noch meine erste Chefin. Die roch immer nach Opium von Yves Saint Laurent. Und ehrlich? Ich mochte sie nicht. Sie war der Inbegriff von autoritär, und dieser Duft steht für mich bis heute für Stress, Kontrolle und die ständige Angst, was falsch zu machen. Wenn ich ihn heute rieche, sehe ich sie sofort wieder – streng, rot geschminkt und mit einem Blick, der Tote hätte wecken können. Düfte sind eben Erinnerung pur – manchmal schön, manchmal weniger.

Conny Doll in Glencheck-Blazer, Schleifenbluse und Jeans – stilvoller Herbstlook mit braunen Cowboyboots.

Ein Hoch auf die Duft-Individualität

Ich sag’s euch, ich hatte dieses Jahr so einige olfaktorische Aha-Momente. Zum Beispiel bei Bon Parfumeur, speziell die Nummer 204 – ein Duft, der gleichzeitig frisch, würzig und total selbstbewusst riecht. Nicht so „Ich will dir gefallen“, sondern eher „Ich bin da – nimm’s oder lass es“.
Oder Alexander J – Passion Bliss. Klingt schon wie eine kleine Oper, oder? Und genau so duftet er auch. Sinnlich, aber nicht aufdringlich. Wie ein Flirt, der weiß, wann er gehen muss.
Dann Philly & Phill – die Marke mit den vermutlich charmantesten Geschichten hinter ihren Düften. Ich sag nur: Velvet in Vegas. Ich hab ihn bei einem Event geschnuppert und sofort gedacht: „Okay, so riecht Selbstvertrauen.“ Und vielleicht auch ein bisschen Wahnsinn – aber auf die gute Art. Die anderen Philly-&-Phill-Düfte sind übrigens genauso besonders, jede Komposition ist fast schon wie ein kleiner Roman in Flakonform.
Und dann Birkholz – Iris n‘ Wood (Affiliatelink). Ein Duft, der so elegant ist, dass man sich automatisch aufrechter hinstellt, sobald man ihn trägt. Holz, Veilchen, Iris – das ist kein 08/15-Geschenkset-Duft, sondern olfaktorische Stilberatung.
Mein All-Time-Favorit? Eau du Soir von Sisley (Affiliatelink). Den trage ich schon ewig und werde ihn nie loslassen. Das ist für mich die Duftversion von gutem Stil – zeitlos, eigenwillig, unverwechselbar.
Und dann war da noch THOO – L’Explicite – je t’aime (Affiliatelink). Ein Name wie ein Versprechen. Und ich sag euch: Wenn Düfte flirten könnten, dieser würde garantiert nie allein nach Hause gehen.

Flakons, Parfum statt Eau de Toilette – und ein bisschen Know-how

Was ich bei Nischendüften fast genauso liebe wie die Düfte selbst, sind die Flakons. Gerade Alexander J, THOO und Kajal sind wahre Künstler in Sachen Verpackung. Ihre Flakons sind keine Behälter, sondern kleine Skulpturen – detailverliebt, opulent, und viel zu schade, um sie im Schrank zu verstecken.
Ich ertappe mich regelmäßig dabei, sie einfach nur anzuschauen. Diese Flakons sind fast zu schön zum Wegstellen. Und mal ehrlich: Das klassische Eau de Toilette ist heute fast Geschichte. Wer was auf sich hält, trägt Parfum – und zwar ohne Kompromisse. Intensiver, langlebiger, individueller.
Wenn ihr Lust habt, euch tiefer in dieses Thema reinzunerden: Der YouTube-Kanal von Luis Filippo ist großartig. Viel Know-how, witzige Vergleiche und genau die richtige Mischung aus Leidenschaft und Fachwissen, ohne abgehoben zu wirken.

Conny Doll sitzt auf Treppenstufen im karierten Blazer, dunkler Bluse und Jeans – eleganter Alltagslook mit modischer Note.

Warum Duft kein Geschlecht braucht

Was ich an Nischendüften so liebe: Sie denken nicht in Schubladen. Da geht’s nicht um „for her“ oder „for him“. Es geht um Stimmungen, Gefühle, Facetten. Ganz ehrlich: Ich hab nie verstanden, warum ein Duft plötzlich „männlich“ ist, nur weil er Moschus enthält. Menschen schwitzen doch geschlechterübergreifend. Wieso also sollte Parfum da Grenzen ziehen? Die neuen Düfte riechen nach Freiheit. Nach Mut. Nach „Ich bin, wer ich bin“. Und das macht sie so besonders.

Duftliebe mit System – kleine Tipps zur Aufbewahrung

Falls ihr auch mehrere Flakons besitzt (und euch die Trennung schwerfällt, so wie mir ;-)), hier ein paar Tipps:
Bewahrt eure Düfte bitte nicht im Bad auf, die Feuchtigkeit und Temperaturwechsel tun ihnen gar nicht gut. Auch Sonne ist keine gute Idee, die zersetzt die feinen Duftmoleküle. Am besten lagert ihr Parfum kühl, dunkel und trocken. Und wer’s besonders gut meint, hebt die Originalverpackung auf, sie schützt den Duft noch besser. Ich weiß, das klingt nach Sammler-Gen, aber wer einmal erlebt hat, wie ein Lieblingsduft nach einem Jahr „kippt“, wird mir danken.

Wo man heute schnuppern sollte

Wenn ihr in München seid: Parfümerie Brückner ist eine meiner absoluten Lieblingsadressen. Dort bekommt ihr nicht nur eine erlesene Auswahl an Nischendüften, sondern auch ehrliche Beratung. Kein „Wollen Sie dazu das Shower Gel?“ – sondern echtes Wissen.

Und wer Lust hat, noch tiefer einzutauchen: Schaut mal bei Nina von „Noch glücklicher“ vorbei. Sie ist Glückscoach und bietet individuelle Duftberatungen an, die sich eher nach Selbsterkenntnis als nach Einkauf anfühlen.

Nischendüfte sind wie Erinnerungen

Je länger ich mich mit Düften beschäftige, desto klarer wird mir: Parfum ist Erinnerung.
Es gibt keine andere Sinneserfahrung, die so direkt an die Vergangenheit gekoppelt ist. Ein Duft kann dich in Sekunden an Orte katapultieren, die du längst vergessen hast: an Sommerabende, an Begegnungen, an Menschen, die längst weitergezogen sind. Und manchmal reicht ein Hauch von Opium, und ich sitze wieder in meinem Ausbildungsbüro, hoffend, dass meine Chefin heute gute Laune hat.
Ich liebe es, dass Parfum heute so viel mehr sein darf als Accessoire. Es ist Ausdruck, Haltung, vielleicht sogar ein kleines Stück Selbstliebe.
Und wer weiß, vielleicht schnuppert der Duty-Free-Shop irgendwann auch mal an der Zukunft. Bis dahin bleibe ich bei meinen Düften: individuell, ein bisschen mutig und garantiert nicht von gestern.

Und jetzt bin ich neugierig: Gibt’s bei euch auch so einen Duft, der euch sofort in eine andere Zeit versetzt? Vielleicht ein Lieblingsparfum aus eurer Jugend oder ein Duft, der untrennbar mit einem Menschen verbunden ist? Ich freu mich, wenn ihr eure Geschichten in den Kommentaren teilt. Danke, dass ihr euch wieder Zeit genommen habt, hier reinzulesen – das ist nie selbstverständlich und bedeutet mir wirklich viel.
Ich wünsche euch einen wunderbaren, entspannten Sonntag mit allem, was euch guttut.

Conny Doll lehnt an einer weißen Säule, trägt karierten Blazer, Jeans und braune Lederstiefel – eleganter Look mit individueller Ausstrahlung.

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Conny Doll in Glencheck-Blazer, Schleifenbluse und Jeans – stilvoller Herbstlook mit braunen Cowboyboots.

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2 Kommentare

  1. Liebste Conny,
    „……was euch guttut“…: Habe gerade Ihren wonderfullen Blog gelesen/genossen.
    Dufte, die Düfte…..und so unglaublich an- und aufregend.
    So wie Ihr Outfit….habe mich darin „schockverliebt“….die Cowboyboots sind das sexyderbscharfe Toping…….
    Herzlichste und liebste Grüße
    Ihr Gert

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