Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie wir eigentlich hierhergekommen sind. Also gesellschaftlich. In diese Gegenwart, in der es völlig normal ist, das eigene Gesicht aus der Armlänge zu fotografieren. Selfies gehören heute genauso zum Alltag wie Kaffee am Morgen. Aber früher? Da hätte das niemand gemacht. Weil es einfach… absurd gewesen wäre.
Während ich so über diese absurde Normalität nachdenke, trage ich Dunkelbraun. Die Farbe, die sich gerade still und heimlich wieder an die Spitze meines Kleiderschranks schleicht. Und ehrlich, ich habe große Pläne mit diesem Ton. Richtig große Pläne.


Als man für ein Foto noch rennen musste
Früher hat man sich für ein Foto mit Selbstauslöser richtig ins Zeug gelegt. Kamera aufstellen, auf den Auslöser drücken, dann möglichst schnell wegrennen, ins Bild springen und dabei beten, dass man nicht nur mit einem halben Arm zu sehen ist. Das war das Selfie des analogen Zeitalters. Ein körperliches Wagnis mit zweifelhaftem Ergebnis.
Die Idee, sich einfach selbst zu fotografieren? Mit Absicht? Und das mehrfach? Komplett undenkbar. Damals hat man sich nicht mal gern beim Lachen erwischen lassen, geschweige denn beim Posen mit Entenschnute. Und Kodak-Film war kostbar. Erst den Film bezahlen und dann auch noch die Entwicklung. Da hätte doch niemand freiwillig 24 Mal das eigene Gesicht abgelichtet. Bzw. wahrscheinlich eher das Kinn oder ein halbes Auge mit Stirn. Wer das beim Entwickeln der Bilder im Laden gesehen hätte, hätte direkt einen Seelsorger angerufen.


Selfies heute
Heute machen wir Selfies in jeder Situation. Im Aufzug, auf der Party, im Pyjama oder beim Wandern. Manchmal sogar einfach aus Langeweile. Es ist so normal geworden, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken. Es ist halt ein Teil des Alltags. Vielleicht ist es sogar die moderne Variante von etwas, das wir schon immer gemacht haben. Sich zeigen. Früher in der Fußgängerzone, heute eben in der Story.
Und sind wir dadurch eitel geworden? Ich weiß es nicht. Vielleicht waren wir das schon immer. Nur eben auf andere Weise. Der Wunsch, gesehen zu werden, ist ja kein neues Phänomen. Früher hat man das neue Kleid sonntags in der Kirche ausgeführt, heute eben auf Instagram.

Vom Kirchgang zum Handydisplay
Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr man sich früher auf den sonntäglichen Kirchgang vorbereitet hat. Nicht nur wegen des Glaubens, sondern auch, weil man dort gesehen wurde. Neues Outfit, frisch geföhnte Frisur, alles auf Hochglanz. Wer durch die Dorfstraße ging, war quasi im Wochenhighlight-Modus. Daher kommt doch auch diese Sitte, dass man die guten Kleidungsstücke immer nur am Sonntag trägt.
Heute ersetzt das Smartphone diesen Spaziergang. Kein Wind, kein Friseurbesuch, nur noch Frontkamera und gutes Licht. Das Selfie ist das digitale Pendant zur Dorfstraße. Und ein bisschen bequemer ist es auch.
Der Spiegel ist nett. Das Selfie sagt: Zieh dich um. 😉

Dunkelbraun kombinieren in meinem Look
Während ich also über Selfies nachdenke, trage ich Dunkelbraun. Eine Hose in einem richtig schönen, tiefen Ton (die hatte sich mein Sohn zuerste gekauft und ich fand sie so cool, dass ich sie nach geshoppt habe – Funfact: bezahlt hatte ich natürlich beide ;-)), kombiniert mit einem senfgelben Pullover, der sofort gute Laune macht. Darüber eine Veloursjacke in einem warmen Cognac, dazu eine Tasche und Schuhe, die farblich mitspielen, aber nicht zu aufdringlich sind.
Ich liebe diesen Look, weil er mir zeigt, wie viel Potenzial in Dunkelbraun steckt. Die Farbe ist wärmer als Schwarz, gleichzeitig genauso vielseitig und wirkt sogar ein bisschen entspannter. Dunkelbraun kann schick, aber auch lässig. Es hat diese stille Eleganz, die ich momentan richtig spannend finde.

Zwischen Gesten und Gegenwart
Ich laufe also so durch die Stadt, denke über Selfies nach und über diese typischen Handzeichen, die sich verändert haben. Früher war der Daumen ans Ohr das Zeichen für Telefonieren. Heute? Eine flache Hand und der Satz mach mal kurz ein Bild. Es ist fast ein bisschen komisch, wie selbstverständlich das alles geworden ist.
Aber trotzdem, bei all der Inszenierung, hat das Selfie auch seine guten Seiten. Und das sage ich ganz ohne Augenzwinkern. Denn manchmal ist es viel mehr als nur digitaler Narzissmus. Es ist richtig praktisch. Vor allem, wenn es um den eigenen Look geht. Wer kennt das nicht? Man steht vorm Spiegel, zieht das Shirt zurecht, dreht sich nach links, dann nach rechts, hebt skeptisch eine Augenbraue und fragt sich leise: Kann ich das tragen oder sieht das nur im Dämmerlicht der Umkleidekabine okay aus?


Wenn der Spiegel sich rausredet – klick für Klarheit
In solchen Momenten ist das Selfie oft der ehrlichere Berater. Ein schneller Schnappschuss, frontal oder im Spiegel, zeigt meistens sofort, ob ein Outfit funktioniert. Ob die Farben wirklich harmonieren oder nur in der Theorie gut klangen. Ob der Schnitt was kann oder nur so tut als ob. Ich hatte schon Kombinationen, bei denen ich im Spiegel dachte wow, und auf dem Foto dann eher oh no. Umgekehrt aber genauso. Outfits, bei denen ich unsicher war, wirkten auf dem Bild plötzlich total stimmig. Fast so, als ob das Handy besser versteht, was ich eigentlich ausdrücken will.
Selfies, Stil und der ganz normale Wahnsinn
Also ja, Selfies sind manchmal nervig und manchmal seltsam. Aber sie sind auch hilfreich. Vielleicht nicht bei philosophischen Lebensentscheidungen, aber bei der Frage, ob Senfgelb zu Dunkelbraun passt, sind sie Gold wert.
Aber vielleicht liegt genau darin der Witz. Wir lachen über die Eigenheiten der Gegenwart, obwohl wir längst selbst mittendrin stecken. Und vielleicht ist Dunkelbraun genau das in Farbe. Lange unterschätzt, ein bisschen vergessen, und dann plötzlich wieder da. Ganz selbstverständlich.

Zwischen Kinnwinkel und Kleiderschrank – wie seht ihr das?
Selfies und Dunkelbraun. Zwei Dinge, die früher belächelt wurden und heute irgendwie dazugehören. Vielleicht verändern wir uns gar nicht so sehr, vielleicht brauchen wir nur neue Wege, um uns auszudrücken.
Wie steht ihr zu Dunkelbraun? Findet ihr, die Farbe ist wieder tragbar? Oder immer noch eher Kategorie Kellerregal? Und wie geht es euch mit Selfies? Gehören sie für euch dazu oder könnt ihr damit so gar nichts anfangen?
Ich freue mich wie immer, dass ihr vorbeigeschaut habt. Danke für eure Zeit, das bedeutet mir wirklich viel. Ich wünsche euch einen richtig schönen Sonntag und freue mich auf eure Gedanken. Mit oder ohne Filter.


Details rund um den Look
- Hose: Yourturn – ist wohl die Eigenmarke von Zalando und als ich sie gekauft habe, war es echt noch sehr viel schwerer, dunkelbraune Hosen zu finden. Für euch habe die von comma rausgesucht (Affiliatelink) und diese hier von Mango (Affiliatelink)
- Pulli: Marc O’Polo – in diesem Sommer einer meiner liebsten Oberteile (Hatte ich euch hier schon mal gezeigt) und hier beim Breuni jetzt im Sale (affiliatelink)
- Jacke: Zara
- Schuhe: Converse – lieb ich einfach die Sneaker und dieses aktuelle Modell gefällt mir auch richtig gut (Affiliatelink).
- Gürtel ist auch von Marc O’Polo


Aktuelle
folge von Durchbruch
Der Podcast für Frauen ab vierzig
Manchmal denke ich ja, wir sollten unseren Podcast in „Von Hölzchen auf Stöckchen“ umbenennen. In dieser Folge ist jedenfalls wirklich alles dabei: Ich erzähle von unserer Irlandreise als Familie – mit all den kleinen und großen Dramen, die so ein Urlaub im Auto mit sich bringt. Cla nimmt euch mit ins Kino und diskutiert mit mir über Popcorn (süß oder salzig, das ist hier die Frage) und ganz nebenbei geht’s auch noch um Freundschaften, alte Geschichten und Katzen, die uns zuverlässig aus jedem Gespräch reißen.
Kurz gesagt: Ein Sammelsurium ohne roten Faden, aber mit vielen ehrlichen Gedanken, schrägen Anekdoten und jeder Menge Augenzwinkern.

Guten Morgen Conny, ja die Selfies, ich bin da immer noch recht schlecht drin und mein iPhone 8 ist was Kamera betrifft auch nicht der Knaller.🤭 Aber es tut was es soll und mal für ein Foto hier und da reicht es mir. Spiegel vs Foto bin ich bei Dir, ich seh auf Fotos auch besser, ob der Look taugt.
Braun und alle ähnlichen Farbtöne liebe ich. Finde es für mich auch viel besser als schwarz, und finde Deinen Look heute so richtig schön. Du leuchtest mir regelrecht entgegen. Harmonisch und herbstlich richtig schön fürs Auge. Ich kaufe gerade viel in diesen Farbtönen ein, weil ich eine komplett neue Garderobe brauche. Mir passen eigentlich nur noch meine Socken.😅 Macht Spaß, kann ich nicht leugnen.
Witzig finde ich die Hosengeschichte. Klar hast Du beide bezahlt, das mache ich auch noch so, auch wenn meine Kinder längst erwachsen sind. Zumindest wenn ich dabei bin beim Shoppen.
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina
Ps wir hatten früher immer mit Diafilm fotografiert, weil günstiger, und da hätte ich mich jetzt riesengroß auf die Wand projiziert. Das mega Selfie.🤭
Hello, liebe Tina,
da sind wir uns ja völlig einig – Fotos sind oft gnadenlos ehrlicher als der Spiegel. Und ich musste lachen bei Deiner Diafilm-Idee, das wäre wirklich das Mega-Selfie gewesen, direkt an die Wand projiziert. 🤭
Wie schön, dass Du auch gerade Braun für Dich entdeckt hast. Ich finde auch, dass es viel freundlicher wirkt als Schwarz und einfach eine tolle Wärme hat. Und danke für Dein Kompliment – das freut mich riesig.
Von Herzen vielen Dank für deinen Besuch und den Kommentar, Conny
Hallo liebe Conny….das heutige Outfit steht dir richtig gut.ich kann als Sommertyp leider gar nichts damit anfangen😀ja gesehen werden wollen wir alle und wirklich wahrgenommen und ernstgenommen.vielleicht noch auf eine andere Weise. Schönen Sonntag wünsche ich dir, liebe Grüße, Helene🙋♀️
Liebe Helene, da gebe ich dir recht… das sind manchmal zwei paar Stiefel. Danke für deinen Besuch und einen Kommentar, lieber Gruß, Conny
Schöner Beitrag Conny. Ich habe Anfang des Jahres mit einem Fotografen analog auf Mittelformat fotografiert und wir haben sage und schreibe 6 Rollfilme verballert, nur für Headshots… Aber ich kann mich auch noch ans Früher erinnern, bin ja mehr oder weniger mit analoger Werbefotografie ins Berufsleben gestartet, da waren nicht nur die Filme sondern auch die Polaroids kostbar.
Deiner brauner Look gefällt mir, bei mir war braun nie raus, da die Erdtöne einfach meine Farben sind. Ich freu mich drauf.
Liebe Grüße, Sigi
Liebe Sigi,
wow, 6 Rollfilme nur für Headshots – das ist wirklich ein großartiges Beispiel dafür, wie kostbar und aufwendig Fotografie früher war (und wohl auch heute noch sein kann). Daran merkt man erst, wie verrückt selbstverständlich Selfies heute sind. Analog mit Polaroids, das klingt nach einer ganz eigenen Magie.
Wie schön, dass Braun für dich nie raus war. Sie wirkt immer warm und erdverbunden und trotzdem elegant. Freut mich sehr, dass dir mein Look gefällt.
Ganz liebe Grüße und ein dickes Dankeschön für deinen Besuch und deine Zeit,
Conny